Puken auf Sylt

 

Was sind eigentlich Puken?

Kennen Sie den Sylter Heimatschriftsteller Boy Lornsen? Nein, dann wird es Zeit, dass wir über ihn und seine Puken erzählen:

Dem Sylter Volksglauben hat der in Keitum beheimatete Schriftsteller Boy Lornsen (1922-1995) ein liebenswertes Denkmal gesetzt: Puken

 

Puken, Puken, Puken.

 

»Puken sind Hausgeister. Sie sind freundliche Wesen, die den Menschen wohl gesonnen sind. Sie wohnen auf Dachböden. Puken sind Leichtgewichte und nur eineinhalb Handlängen groß. Sie fliegen auf Taubentaxis und können zwanzigmal höher springen als sie lang sind, einige Puken noch höher. Die Nacht ist ihr Tag, und tagsüber schlafen sie. Es sei denn, sie haben etwas Besonderes vor. Puken können lesen und schreiben. Puken können sich unsichtbar machen. Wer einen Puk auf seinem Dachboden wohnen hat, darf sich freuen. Denn ein guter Geist ist in sein Haus gezogen. Er muss aber auch etwas für seinen Hausgeist tun: Er muss ihm Gerstengrütze kochen mit einem Klecks Butter und in einem Schüsselchen vor die Tür stellen...« So beschreibt der Sylter Kinderbuchautor Boy Lornsen aus Keitum diese eigentümlichen Wesen, von denen die Hauptfigur Nis Puk ein besonders freundliches Exemplar ist.

Nis Puk wohnt auf dem Dachboden eines kleinen feinen Hauses und isst ebenfalls gern Gerstengrütze mit viel Butter. Er fliegt wie alle anderen auf Taubentaxis von einer außerordentlichen Pukenversammlung zur anderen. Er kann lesen und schreiben, und er besitzt eine Eigenschaft, die wir Menschen manchmal gern besitzen würden: Er kann sich unsichtbar machen, wann immer er will. Dazu brauchen die Puken den Unsichtbar-mach-Spruch, wollen sie wieder sichtbar sein, den Sichtbar-mach-Spruch. Puken öffnen Türen mit dem Tür-öffne-Spruch und schließen sie mit dem Tür-schließ-Spruch. Puken hören ebenso gut wie die Hasen. Sie verstehen das leiseste Flüstern.

Jeder Puk hat einen besonderen "Beruf"; der würdevolle Oberpuk ruft die ordentlichen und außerordentlichen Pukenversammlungen ein. Alle Abstimmungen erfolgen mit dem Pukenlöffel, den sie immer dabei haben, natürlich auch wegen der Grütze.

Der Gemeindepuk liest viel und redet wenig. Er weiß, was er eigentlich nicht wissen dürfte. Er kann gut Schreibmaschine schreiben und fotokopieren.

Der Postpuk wohnt natürlich auf dem Dachboden des Postamts. Er kennt sich mit Postsachen aus, hat die beste Handschrift und kann Unterschriften nachmachen.

Der Bankpuk redet auch nicht besonders viel. Dafür kennt er sich am besten von allen Puken mit Zahlen aus.

Der Wollpuk wohnt im Wollladen. Er strickt Mützen und Strumpfhosen für die Puken und beim Stricken kommen ihm die besten Einfälle.

Der Kirchenpuk schwärmt für Orgelmusik. Manchmal verstopft er ein paar Orgelpfeifen. Und dann wundert sich der Organist über die falschen Orgeltöne.

Der Hochhauspuk wohnt gern im Hochhaus. Von dort hat er die beste Aussicht. Außerdem liebt er kleine Geheimnisse.

Der Zeitungspuk wohnt im Keller der Zeitungsdruckerei zwischen großen Papierrollen. Sein häufigstes Wort ist: die Zeitung.

Der Schleckerpuk ist der dickste von allen Puken. Kein Wunder! Er wohnt über einem Bäckerladen. Man sieht ihn nur selten ohne Lolli.

Ein Meckerpuk ist dabei. Er hat an jeder Wohnung etwas zu mäkeln. Weil er so oft umzieht, nimmt er einen gepackten Koffer zu den Pukenversammlungen mit.

Wenn Sie die Puken anklicken, zeigen sie sich, Einer nach dem Anderen